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Über meine Pilgerschaft

Herrmann Künig von Vach und Franziskus

Meine erste Begegnung mit diesem Thema macht sich an der Wallfahrt in Polen 1980 (von Warszáwa nach Częstochówa – 9 Tage am Stück zu Fuß ) fest. Mindestens jeder gelernte DDR-Bürger kann sich selbst ausmalen, in welchem politisch brisanten Kontext sich dieses ökumenische Erlebnis der besonderen Art abgespielt hat. Zudem waren in den Achzigern für unsereinen Orte wie Taize oder Santiago de Compostela (noch!) nicht von dieser Welt. Aber ich durfte Menschen kennenlernen, die bereits dort waren. Ein Jesuitenpater aus Güstrow sorgte unterwegs dafür, daß auch die evangelischen Teilnehmer einen eigenen Abendmahlsgottesdienst feiern konnten. Da war u.a. auch der Gregorianische Gesang gefragt, der nun auch weiterhin auf Wegen der Jakobspilger in Mitteldeutschland mein Begleiter geworden ist. Kurzum, ich hatte mir nun auch den Pilgervirus eingefangen, vorerst für die mitteldeutsche Region....

Pilgern in Mitteldeutschland
Der Ökumenische Pilgerweg

Augustinerkloster Erfurt (AusführlicheAngebote zum Pilgern in Erfurt)
Peregrinatio Erfordiensis (PDF) (Facebook-Gruppe("Erfurter Pilgerreise" - für Auswärtige zu beachten: hier handelt es sich um ein Angebot, wofür ein ganzer Tag - 10.00 bis 16.00 Uhr - zu veranschlagen ist!)

Pilgerweg - 'Auf den Spuren starker Frauen (Elisabeth, Walburga, Paulina) - von Erfurt nach Paulinzella (PDF)

Hermann Künig v.Vach (in Erfurt?), als der ich verkleidet Pilgergruppen zu Erfurts schönsten Kirchen führe - hat einen historischen Hintergrund: Sein Name findet sich schon in den Universitätsmatrikeln von 1466, ehe er später wieder als Servitenmönch (OSSM) in Vacha erwähnt wird. Höchstwahrscheinlich wird er den Pilgerbetrieb am Mariendom erlebt haben und vielleicht durch die Begegnung mit Pilgern nach Aachen oder Einsiedeln auch von den Hauptrouten nach Santiago de Compostela gehört haben. Wann genau er selbst dort war bleibt im Dunkeln. Für deutschsprachige Pilger setzte er die Kenntnis einheimischer Wegverläufe im Pilgerführer „Die Straß und meylen zu sant Jacob“ (ersch. 1495) offenbar voraus und verzichtete auf eine Erläuterung.

Am äußeren Mauerwerk des Mariendoms (Chorumgang auf den Kavaten) kann man heute noch Graffiti aus der Zeit erkennen, die über das Pilgermassen-Phänomen einige Aufschlüsse geben.

Übrigens, ich hoffe, dass ich selbst es eines Tages noch nach Santiago de Compostela schaffe. Solange eine eigene Familie zu versorgen ist, möchte ich das meinem lieben Weibe – aber auch Gott selbst überlassen, wann bei uns beiden der „Virus“ vollständig zum Ausbruch kommt. Aber ich bin allen zu Dank verbunden, die unseren Wunsch als Bitte in Ihr tägliches Gebet mit einschließen.

 

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© karlabunjes.de

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Angebot einer Bild-Text-Ausstellung über das Samstagpilgern 2005
durch Sachsen-Anhalt und Thüringen (u.a.entlang des Saaletals) von Leipzig nach Saalfeld

(Achtung fast 12 MB - bitte bei langsamen Internet längere Ladezeit beachten!)
(Fotos: G. Maschke; Texte: T. Ludwig).


Wer Interesse daran hat, diese einmal in der eigenen Kirchgemeinde oder Pilgerherberge zu zeigen, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen (Adresse Impressum).

Reisesegen

Weingartner Reisesegen (aufgezeichnet vor 1300)

In nomine + patris et + filii et + spiritus sancti, amen. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Ic dir nach sihe - Ic dir nach sendi mit min funf fingirin - funui undi funfzic engili Ich sehe dir nach - Ich sende dir nach mit meinen fünf Fingern fünfundfünfzig Engel
Got dich gisundi - heim dich gisendi Gott sende dich wieder gesund nach Hause
offin si dir diz sigidor - sami si dir diz selgidor Offen sei dir das Tor des Siegs genauso sei dir das Tor des Glücks
Bislozin si dir diz wagidor - sami si dir diz wafindor Verschlossen sei dir das Tor zum Unsicheren genauso sei dir das Tor zu den Waffen
des guotin sandi ulrichis segen - si vor dir Des guten Sankt Ulrichs Segen - sei vor dir
vndi hindir dir vndi hobi dir vndi nebin dir gidan und hinter dir und über dir und neben dir gemacht
swa du wonis - vndi swa du sis überall dort wo du wohnen wirst und wo du sein wirst,
daz da alsi gut fridi si - alsi da weri - da min fravwi damit da ein so vollkommener Schutz sei wie dort war, wo meine Herrin
sandi marie des heiligin Xristis ginas. Sankt Maria die Geburt des heiligen Christus gesund überlebte.


Hermann Künig von Vach in Begleitung von Christine DölleDiese Segensworte wirken auf uns Heutige fast wie eine Chiffre, sowohl in den Formulierungen (mal abgesehen vom althochdeutschen Sprachduktus) als auch was die Zahlen anbelangt, hinter der sich eine eigene Symbolik verbirgt.
Die Figur des Engels als Begleiter erinnert an den Erzengel Raphael, der dem Tobias begegnete und ihn auf seinem Fußmarsch beschützt hatte. (apokryphes Buch Tobit)
Die Zahl der fünf Finger – im Ursprung ebenso wie die Zahl 11 als Symbolzahl des Dämonischen – bekommen die Funktion der Dämonenabwehr, indem sie christlich umgedeutet werden: Die Fünf (3+2 Trinität + Zweinaturenlehre) mal 11 (Zahl der übrig gebliebenen Jünger nach Jesu Tod) bedeuten telegrammartig das Schuldig-Werden an Gottes Neuem Bund, das aber im festen Vertrauen des Pilgers auf Jesu Opfertod zum Segen wird. Die Zahl 55 wird als Vielzahl zu deuten sein im Sinne eines vielfachen Schutzes.
Die Tore sind Metaphern des Durchschreitens oder Bewahrtwerdens in Grenzsituationen. Die Bilder kommen sehr eindeutig aus der Militärsprache.
Mit „Wagindor“ und „Segildor“ könnten jedoch auch Entsprechungen aus der Seefahrt gemeint sein.
Der hl. Ulrich von Augsburg (der erste kanonisierte Heilige!) spielte im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Lechfeld eine bedeutende Rolle als Verteidiger des Glaubens.
Die genaue Plazierung des Segens (vor dir, hinter dir, über dir, neben dir) könnte eine Anleihe von irischen Segenssprüchen sein, die möglicherweis durch keltische Einflüsse auch auf unsere Regionen gekommen sind.
Der Text mündet in eine Aussage zur segensreichen Menschwerdung Gottes in Gestalt der Gottesmutter, die noch heute für viele rechtgläubige Christen die Schar der Fürbittenden anführt. Der hier versprochene Frieden im christlichen Sinne löst die magische Zauberformel ab, die man aus der Handsymbolik noch herauslesen mag. Ob der Ort der Menschwerdung (in diesem Kontext) zwingend als Pilgerziel zu verstehen ist, läßt sich m.E. nur im Nachhinein so deuten, da er für Mitteleuropa erst mit dem Aufkommen der Kreuzugsidee 1095 als solcher betrachtet werden kann.

Der Reisesegen aus dem Leipziger Brevier

Der Reisesegen aus dem Leipziger Brevier mit Canticum Zachariae kann hier heruntergeladen werden: PDF.

Dzięki Polska! - Danke nach Polen!

 

Tysięcy dzięki Maria, „Matko“ Polska!

(Tausend Dank, Maria, „Mutter“ Polens!)

 

Nicht nur „die Kastanien aus dem Feuer geholt“ – eine (Ge-) Denkpause (auch) an unsere östlichen Nachbarn

 
Pilgerfreunde und Lutherkenner sind dieses Jahr besonders auf zwei Ereignisse fixiert: zum einen das Compostela-Jahr (der Aposteltag Jakobus d.Ä. fällt auf einen Sonntag!) und zum anderen - im Kontext der Lutherdekade - die Erinnerung an Luthers Pilgerreise nach Rom 1510 (Rückkehr 1511).
 
In diesem Jahr sollte aber vielleicht auch mal in ganz anderer Richtung über den Tellerrand geschaut werden:
 
Meine Pilgergeschichte begann 1980 mit den Erlebnissen auf der Wallfahrt von Warszáwa nach Częstochówa (noch nicht so richtig ahnend, welche politischen Veränderungen sich in dem Land abzeichneten – geschweige denn die Folgen vorherzusehen!!!) Erst im Nachhinein wurde auch mir klar, daß nicht nur bei den vielen polnischen Pilgern unserer Gruppe, sondern auch bei den Menschen im Land selbst Vieles in Be- (Weg) -ung geraten war.
 
Die Geschichte hat beispielhaft gezeigt, wie unsere beiden Länder auf verschiedene Weise immer wieder in Konflikte verstrickt waren. Das Gedenken im letzten Jahr an an den Kriegsausbruch vor 60 Jahren und dessen verheerende Folgen soll unser Gewissen wachhalten, nicht wieder in alte chauvinistische Denkmuster zu verfallen.
Im Jahr 2010 möchte ich - anhand besonders denkwürdiger historischer Bezüge - zum einen besonders daran erinnern, daß so mancher Konflikt zwischen Polen und Deutschland tieferliegende Wurzeln hat und andererseits dankbar Rückschau halten für eine Entwicklung, die letztlich der Versöhnung und dem Frieden zwischen beiden Völkern zum Segen wurde.
 
1. Der 600. Jahrestag der Schlacht von Grunwald und Tannenberg (am 15.7. 1410). In dieser Schlacht wurde der Deutsche Orden von dem vereinigten polnisch – litauischen Heer vernichtend geschlagen. Dieses Datum war Anlaß für Romane und Filme, die mehr oder weniger jeweils die eigene Seite heroisieren bzw. die Gegenseite dämonisieren sollten. Ein Ergebnis, das in der deutschen Geschichte desöfteren die Versuchung nach Revanche wach rief. Mehrere Teilungen seitens der früheren Nachbarn, Nationaler Überheblichkeitswahn auf deutscher Seite und die Abschreckungspolitik der Machtblöcke in der Zeit des Kalten Krieges vermochten es nicht, ein tief von Glauben und Volksfrömmigkeit geprägtes Volk zu demütigen.
Und erst recht keine dummen Witze bei uns hier in Ostzeiten konnten GOTTes Drehbuch der Versöhnung und des Friedens unter einst verfeindeten Nationen beeinflussen. Was für ein Bild würden die Kirchen, christliche Frömmigkeit und Nationalbewußtsein dieses Landes sonst abgeben, wenn es nicht Menschen gegeben hätte, die viel riskiert haben: wie der Adalbert v. Prag, Brun v. Querfurt, Jadwiga, Nikolaus Kopernikus, Maximilian Kolbe, Jerzy Popieluzsko, Karol Woytila, die Werftarbeiter von Gdansk oder die Menschen von Nowa Huta - nicht zu vergessen - so mancher Herrscher und Politiker, dem die Treue zu Gott und zum eigenen Volk und letztlich die Versöhnung zwischen den Nationen wichtiger war als der persönliche Vorteil.
 

Tysięcy dzięki,"pielgrzymów"Papież Jan Paweł pobłogosławił

(Tausend Dank, seliger „Pilger“, Papst Johannes Paul!)
 
2. Der Todestag des (schon jetzt für viele seiner Landsleute als selig verehrten) Papstes Johannes Paul II. jährt sich am Karfreitag, 2. April zum fünften Mal. Im Jahr 2005 waren genau an dem Tag Teilnehmer des Samstagspilgerns in Mitteldeutschland zwischen Horburg (ehem Marienwallfahrtsort b.Leipzig) und Merseburg unterwegs. Es war ein eindrücklich schöner Frühlingstag und alle sind in dem Bewußtsein gepilgert, für einen einst unermüdlichen (nunmehr im Sterben liegenden) Pilger zu beten und ihm zu gedenken. Das wurde dadurch noch unterstrichen, daß katholische wie evangelische Geistliche zu den Stationsandachten auf ihn Bezug nahmen, - eine ganz neue Erfahrung von Ökumene wurde bezeugt.
© karlabunjes.de - zum vergrößern klicken
Nachdem wir im letzten Jahr dankbar zurückgeschaut haben auf 20 Jahre Wende,  Fall der Mauer, Fall des „Eisernen Vorhangs“, Fall der menschenverachtenden Diktaturen im Ostblock, möchte ich in diesem Jahr alle die polnischen Brüder und Schwestern nicht vergessen, die (außer Johannes Paul II.) dafür „gearbeitet“ haben oder „gepilgert“ sind, um (- nicht nur für uns! - ) weit mehr als nur „die Kastanien aus dem Feuer zu holen“!

 

 

Tysięcy dzięki, drodzy polskich sąsiadów!

(Tausend Dank, liebe polnische Nachbarn!)
 
Als am 15.August 1980 die gemischt sprachige Pilgergruppe 17, in der auch ich dabei war, kurz vor Czestochowa, auf dem „Berg der Versöhnung“ ankam, konnte man zum ersten Mal den schlanken Kirchturm des Jasna Gora (Heller Berg) erkennen. Viele von uns knieten angesichts dieses Augenblicks erfürchtig nieder. Die meisten Pilger umarmten sich und man tauschte sich die Texte des „Oyce nas“, des „Vaterunser“ in der jeweiligen Landessprache aus. Dann wurde die alte Hymne „Bogurodzica“ angestimmt. Man merkte deutlich: Festhalten an Glaubentreue und Nationalbewußtsein, Abstreifen alter Ressentiments – Bereitschaft zur Versöhnung und Aufbruchstimmung charakterisierten diesen Augenblick, den man nicht so schnell vergißt.
 
Einst wurden die „Bogurodzica“ und „Christ ist erstanden“ vor Beginn der Schlacht 1410 angestimmt. Das erstere bescherte Polen und Litauen den wohl verdienten Sieg, das zweite erteilte Stolz und Überheblichkeit eine klare Absage und dem Deutschen Orden und seinen Verbündeten eine vernichtende Niederlage.
 
Heute möchte ich beide Lieder gerne als Versöhnungslieder singen mit der Bitte, daß GOTT unsere beiden Völker in friedlicher Nachbarschaft erhalten möge.

 

 


Polens alte Nationalhymne – die „Bogurodzica“ (13.Jh. oder älter?)
 
  • ist ein alter Mariengesang, der (- ähnlich wie die Ikone der „Schwarzen Madonna“- ) in seinem Textgehalt aus der byzantinischen Tradition herstammt. Andere Quellen erwähnen ihn als Dichtung des Heiligen Adalbert von Prag, der bei der Pruzzenmission ums Leben kam.
  • dieser Gesang wurde u.a. auch von den Vertretern des polnischen Heeres und seiner Verbündeten vor der Schlacht bei Grunwald und Tannenberg 1410 angestimmt. (Roman v. H. Sienkiewicz)
  • Seine Übersetzungen bergen Textelemente, die manchen Formulierungen abendländischer Marien-Antiphonen sehr ähneln, allerdings auch durch die Erwähnung des Täufers Johannes ein typisch orthodoxes Ikonenmotiv, das der Deesis (Maria und J.d.T. im Fürbittgestus links und rechts von Christus) aufgreifen. Der Begriff „Gospodz“ ist noch das alte kirchenslawische Wort für „Herr“. Heute ist im Polnischen üblich „pan“ für „Herr“ zu sagen.
 
Hier der Versuch einer Übersetzung (G. Streicher):
 
Gottesgebärerin, Jungfrau - von GOTT verherrlichte, Maria, - bei deinem Sohn, dem Herrn, erwählte Mutter Maria sei uns Fürsprecherin und Mittlerin; Kyrie eleison(!)
Um DEINES Täufers willen, GOTTgleicher, erhöre die Stimmen und erfülle die Sinne der Menschen, höre das Gebet, welches wir tragen und Du wollest angemessen geben, worum wir bitten: in der Welt in GOTT zu wandeln, und nach dem irdischen Leben das Paradies. Kyrie eleison.
(Übersetzung so weit die Strophen bekannt sind! – das Lied ist vermutlich noch länger!)

Jasna Gora - Sanktuarium

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